Charlys Konter-Guide
Das Kontern ist an sich eine komplexe Angelegenheit. Allerdings kann es richtig angewendet eine sehr starke Waffe sein und sehr viel Erfolg und noch mehr Spass bringen. Konter-Siege sind mit Abstand die schönsten Siege bei Hattrick?
Bewusst vermeide ich die Aussage, Konter wäre eine Taktik, um mit einem unterlegenen Team Punkte zu holen. Dies ist normalerweise nicht der Fall, dazu aber später mehr.
Um sich der Thematik „Kontern“ zu nähern, vorweg, wie immer in so einem Fall, die theoretischen Grundlagen:
1. Es gilt zwei Arten von Konterchancen zu unterscheiden. Die aus der Spezialtaktik resultierenden taktikabhängigen Konter und taktikunabhängige Konter, die jederzeit in jedem Spiel auftreten können und in keinem Zusammenhang mit der Kontertaktik stehen.
Grundsätzlich ist aber die Funktionsweise beider „Konterarten“ identisch, wobei die taktikunabhängigen Konter aber keine zwingende Mittelfeldunterlegenheit benötigen!
2. Die Konter-Taktik greift nur, wenn das Mittelfeld der anwendenden Mannschaft dem der gegnerischen Mannschaft unterlegen ist. Das bedeutet, dass der Ballbesitz unter 50% liegen muss, damit es zu einem Konter kommen kann. Rutscht man durch gegnerische rote Karten oder schlechte Kondition über 50%, sind keine Konter mehr möglich. Der Ballbesitz wird bei jeder Chance neu berechnet, so dass im Spiel die Kontertaktik mal greifen kann und mal nicht.
3. Die Taktik „Konter“ reduziert das Mittelfeldrating der anwendenden Mannschaft um 7%, dabei ist es umstritten, ob der Ballbesitz schon vor Abzug der 7% unter 50% liegen muss oder erst danach. Hier gilt es lieber auf Nummer sicher zu gehen.
4. Die Höchstzahl der Konter wird nur durch die Anzahl der gegnerischen Chancen begrenzt. Grundsätzlich kann jede normale gegnerische Chance gekontert werden. Dabei gibt das Konterrating die Wahrscheinlichkeit an, mit der die vergebene Chance in eine eigene Konterchance umgewandelt wird.
5. Konterchancen werden wie normale Chancen behandelt, das bedeutet, dass ca. 35% der Chancen durch die Mitte laufen, ca. je 25% pro Flügel (also 50%) und ca. 15% Standards sind (66% davon direkt, 34% indirekt ). [Werte von www.ht-links.de]
6. Die Konterfähigkeit wird vom PS- und VT-Skill der Verteidiger bestimmt. Der PS-Skill zählt dabei doppelt so viel wie der VT-Skill (vgl. Formel zu Konterfähigkeitsberechnung: [post=13385667.1] in der FfA).
Nun zu den Voraussetzungen für ein erfolgreiches Konterspiel (in dieser Reihenfolge):
1. Das Aller-aller-aller-Wichtigste: Die Abwehr muss dem gegnerischen Sturm weit überlegen sein. Denn nur aus abgewehrten gegnerischen Chancen können eigene Konter generiert werden. Als Faustregel empfehle ich eine 50%ige Überlegenheit. Erst ab knapp 100%iger Überlegenheit halte ich die Abwehr für überpowert. Je niedriger der eigene Ballbesitz, desto größer sollte die Überlegenheit der Verteidigung sein.
2. Ein starker Sturm (auf allen drei Seiten): Die Kontertaktik bringt den Nachteil mit sich, dass du nicht mehr Chancen hast als der Gegner, normalerweise hast du sogar einige Chancen weniger. Deshalb sollten diese Chancen auch sitzen. Zu einem starken Sturm gehört im Übrigen auch ein sehr starker Standardschütze (dieser muss kein Stürmer sein). Häufig werden knappe Spiele durch einen Standard entschieden, und da es bei Konter-Teams häufiger zu knappen Spielen kommt, ist ein Standardschütze ein absolutes Muss!
3. Ein Torwart mit hoher Standard-Fähigkeit: Dieser Spieler ist für mich der wichtigste Spieler in einem Konter-Team.
Wie schon vorher erwähnt, werden knappe Spiele häufig durch Standards entschieden. Da der Gegner aber einen höheren Ballbesitz hat, hat er auch eine höhere Wahrscheinlichkeit eine Standardchance zu bekommen. Bei den direkten Standards nutzt der Schütze seine Standards-Fähigkeit, um den gegnerischen Torwart zu überwinden. Wenn dein Torhüter eine direkte Standardsituation abzuwehren hat, nutzt er seine Standards-Fähigkeit zusätzlich zu seiner Torwart-Fähigkeit. Er ist damit dein einziger Spieler, der das Gegentor verhindern kann. In diesem Fall sind deine anderen Abwehrspieler vollkommen nutzlos.
4. Eine hohe Konterfähigkeit: Je höher die Konterfähigkeit, desto größer die Wahrscheinlichkeit eine abgewehrte gegnerische Chance in einen Konter umzuwandeln. Die Konterfähigkeit kann dabei nicht hoch genug sein, wobei diese von der A-Skill-Höhe deiner und der Spieler deines Gegners abhängig ist (als kleine Orientierungshilfe: Liga 10 durchschnittlich– passabel, Liga 9 gut – sehr gut, Liga 8 hervorragend, Liga 7 großartig, Liga 6 brillant – fantastisch). Also je höher die Liga und stärker die Gegner, desto höher sollte das Konterrating sein. Die Konterfähigkeit ergibt sich aus den zweifachen Passspiel-, den einfach Verteidigungswerten, der Form und der Erfahrung aller Abwehrspieler.
Beachte: Es ist in einem 5-x-x System leichter eine hohe Konterfähigkeit zu erreichen als in einem System mit weniger Abwehrspielern.
5. Sonderereignisse (SE): SEs sind die Schrecken eines jeden Trainers. Selbst eine göttliche Verteidigung schützt nicht davor. Da ein konterndes Team bei der SE-Verteilung, die vom Ballbesitz abhängt, immer im Nachteil ist, ist es umso wichtiger, SE-optimiert aufzustellen, sowohl defensiv als auch offensiv.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wodurch SEs hervorgerufen werden können. Ich möchte mich hier deshalb nur auf die wichtigsten im Sinne von häufigsten SEs konzentrieren.
Die am häufigsten auftretenden SEs sind das Ecke-Kopfball-SE, das Winger-SE und das schnell-SE.
Für die Berechnung des Ecke-Kopfball-SE werden alle Spieler eines Teams (außer Torwart und Standardschütze) einbezogen. Die Anzahl der kopfballstarken Spieler pro Team werden gegenüber gestellt. Je mehr kopfballstarke Spieler ein Team im Vergleich zum Gegner hat, desto größer ist die Chance auf ein erfolgreiches SE. Es kann also nicht schaden möglichst viele kopfballstarke Spieler zu haben.
Bei dem schnell-SE läuft der Angreifer dem Verteidiger davon. Um das zu verhindern, sollte der verteidigende Spieler ebenfalls schnell sein. Nachteil eines schnellen Spielers ist, dass er bei Regen oder Sonnenschein ein negatives Wetter-SE erleiden kann, wodurch sein VT-Skill stark geschwächt wird. Handelt es sich dabei um einen schnellen Verteidiger, könnte es sein, dass die Abwehr nicht mehr stark genug ist, um die gegnerischen Chancen zu vereiteln. Dagegen ist das schnell-SE an sich nicht wetterabhängig, d.h., dass Angreifer unabhängig vom negativen Wetter-SE ein schnell-SE bekommen bzw. schnelle Verteidiger das schnell-SE verhindern können.
Das Winger-SE funktioniert ähnlich wie das schnell-SE. Flügelspieler mit ausreichend gutem Flügelspielwert ermöglichen manchmal eine zusätzliche Torgelegenheit, die durch einen Mannschaftskameraden (Stürmer oder Flügelspieler) vollendet wird. Wenn dieser zweite Spieler ein Kopfballspezialist ist oder über eine genügend gute Torschuss-Fähigkeit verfügt, wird er die Chance mit höherer Wahrscheinlichkeit verwerten. Dieses SE kann leider nicht verhindert werden. (Für einen Überblick über die weiteren SEs sei auf HT-Handbuch Kapitel 13 oder ht-links verwiesen).
Der ein oder andere wird nun bei den obigen fünf Voraussetzungen das Mittelfeld vermissen. Bewusst habe ich darauf verzichtet. Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist das Mittelfeld-Rating eher unwichtig.
Dazu folgende Erläuterung:
Umso höher der Ballbesitz, desto mehr normale Chancen bestehen und so weniger Chancen bekommt der Gegner. Je höher allerdings der Ballbesitz, desto weniger Sinn macht es zu kontern.
Die im Forum oft zitierte These, dass 49% Ballbesitz optimal zum Kontern sind, ist nicht haltbar. Liegen die oben genannten Voraussetzungen vor, dann macht es keinen Sinn mit 49% Ballbesitz zu kontern und damit sein Mittelfeld künstlich zu schwächen. Auch ohne die Kontertaktik käme es in diesem Fall zu einer hohen Wahrscheinlichkeit Konter zu bekommen, nämlich die bereits oben vorgestellten taktikunabhängigen Konter. Außerdem kann in den allermeisten Fällen der BB durch Verzicht auf etwas Sturm- und Verteidigungs-Rating locker auf über 50% gehoben werden.
Allerdings ist leider die SE-Verteilung abhängig vom Ballbesitz, so dass ich immer versuche auch etwas BB zu bekommen. Normalerweise reicht in den meisten Fällen ein zentraler Mittelfeld-Spieler aus, um auf ca. 30-35% Ballbesitz zu kommen, was ich als vollkommen ausreichend empfinde.
Kurz zusammengefasst: Das Mittelfeld ist das Unwichtigste beim Kontern, aber nicht unwichtig. Allerdings sollte man seine Ressourcen in erster Linie für die oben genannten Voraussetzungen verwenden, bevor man anfängt, das Mittelfeld zu stärken.
Formationen zum Kontern
Grundsätzlich kann mit jedem Spielsystem erfolgreich gekontert werden. Da aber beim Kontern eine starke Abwehr Pflicht ist, empfehlen sich defensiv starke Spielsysteme.
Meine persönlichen Lieblings-Konter-Systeme sind: 5-3-2, 4-4-2 und 5-2-3, da man hier relativ einfach eine gute Abwehr- und gute Angriff-Ratings generieren kann.
Dagegen halte ich 5-5-0, 5-4-1 und 4-5-1 fürs Kontern für eher ungeeignet, da man hier nur schwierig gute Angriffsratings generieren kann.
Allerdings sind pauschale Empfehlungen nicht zielführend, da die richtige Konterformation immer in Abhängigkeit zu den Ratings des Gegners gewählt werden sollte.
VT-Trainern empfehle ich, alle 5-x-x Systeme einzuspielen, um taktisch flexibel agieren zu können. Mittlerweile ist es mit Friendlys und Auswechslungen problemlos möglich, mindestens 5 Systeme auf einem hohen Eingespieltheit-Level zu halten.
Einmal Konter, immer Konter?
Definitiv nicht. Als Verteidigungstrainer muss man taktisch flexibler sein als die Spielaufbautrainer. Ein Manager, der konsequent kontert, ist viel zu leicht auszurechnen. Deshalb muss man sich ein wenig mehr Gedanken über seinen nächsten Gegner machen als manch anderer.
Die Kontertaktik darf auch nicht als Allheilmittel gegen übermächtige Gegner angesehen werden, genau das hat sie nämlich in Verruf gebracht. Sie wurde und wird oft in Spielen angewandt, die eh schon als verloren gelten. Durch die Kontertaktik erhofft man sich dann ein Wunder, das nur in den seltensten Fällen eintritt.
Taktische Abwandlungen
Mir ist durchaus bewusst, dass die oben genannten Voraussetzungen oft nicht erfüllt werden können. Ein Patentrezept, wie in solchen Fällen zu verfahren ist, gibt es nicht. Deshalb hier nur ein paar Denkanstöße (keine Allgemeingültigkeit):
a) Ich komme mit meinem Sturm nicht an die gegnerischen Verteidigungs-Ratings!
In diesem Fall könnte es Sinn machen, sich nur auf zwei Angriffsseiten zu beschränken und zu hoffen, dass deine Chancen über diese Seiten laufen. Wenn du es auch nicht schaffst, zwei Seiten stark zu bekommen, ist die Kontertaktik evtl. nicht die richtige Taktik. Schon mal über ein mittelfeldlastiges 5-4-1 mit nur einer starken Angriffsseite nachgedacht (einarmiger Ostfriese)?
b) Meine Abwehr schwächelt ein wenig, ist aber dennoch überlegen!
In diesem Fall könnte es durchaus Sinn machen, mit möglichst viel Ballbesitz zu kontern, um dem Gegner weniger Chancen zu geben.
c) Ich bin auf allen Abwehrseiten nur ein wenig überlegen!
In diesem Fall könnte es Sinn machen, nur zwei Abwehrseiten richtig stark zu machen. Auf der dritten Seite schießt der Gegner zwar seine Tore, aber auch nur 25% der Chancen laufen über die linke oder rechte Flügel-Seite, im Normalfall erzielt der Gegner also nur 1-2 Tore.
Generell gilt:
Eine Abweichung vom oben genannten Voraussetzungen führt dazu, dass die Siegwahrscheinlichkeit sinkt. Allerdings beruht Hattrick auf Wahrscheinlichkeiten, so dass du selbst dann nicht den Sand in den Kopf stecken musst ?
Viel Erfolg beim Kontern wünscht CharlyFirpo [userid=6397095].
Fragen werden euch gerne in der FfA beantwortet.
Einige Passagen wurden von BigB24, der den alten Konter-Guide geschrieben hat, übernommen. Auch ihm nochmals vielen Dank für die geleistete Arbeit. |